Gesellschaft für Information, Beratung
und Therapie an Hochschulen e.V.

Grenzen überschritten

Früher einmal: Schüler und Lehrer. Statue vor dem Kollegiengebäude. (c) Juri Weiss

Vom 7. bis zum 9. September 2011 fand die Herbsttagung der ´´´GIBeT in Basel, und damit erstmals außerhalb Deutschlands, statt. Naheliegend deshalb das Thema der Tagung: „Grenzenlos studieren“. Doch der Verlauf der Tagung zeigte, dass das mitunter ganz schön schwierig sein kann.

Bologna als Mobilitätshemmnis?

Schon der Eröffnungsvortrag von Rektor Prof. Antonio Loprieno machte deutlich, dass das gewandelte Verständnis von Universität der Mobilität von Studierenden in Europa nicht unbedingt förderlich ist. Zwei Punkte des Vortrags seien hierzu herausgehoben: Da ist zum einen der Wandel von der universitas zur university. Verstanden sich früher Studierende als Studierende eines Faches, z.B. der Ägyptologie, und versuchten deshalb, bei unterschiedlichen Lehrenden – sei es in Basel, Freiburg oder Straßburg – ihr Wissen zu erweitern, so verstehen sie sich heute als Studierende einer Universität, der sie – eher französischem denn US-amerikanischen Vorbildern folgend – ihr (Studien-)Leben lang treu bleiben. Universitäten in Europa folgen diesem Trend. Internationalität zeichnet sich für sie jetzt vor allem dadurch aus, viele Studierende anderer Universitäten an sich zu binden, und weniger, ihre eigenen Studierenden „wegzuschicken“.

In Europa studieren …

Die alte Baseler alma mater – Sinnbild für ein Studium in Europa. (c) Oliver Greuter

Am ersten Tag wurde das Thema der Tagung im Vortrag mit dem langen Titel: „Grenzüberschreitend studieren an den Universitäten der Großregion Saarbrücken, Lüttich, Luxemburg, Nancy, Metz sowie Kaiserslautern und Trier“ von Annett Emmrich, Universität des Saarlandes, fortgeführt. Anhand der genannten Großregion führte sie vor, wie schwierig es sein kann, unterschiedliche Hochschulkulturen, die bis hinein in Benotungskulturen reichen, zusammenzuführen. Die Schwierigkeiten sollen allerdings nicht die Chancen sowohl für die Hochschulen als auch für die Studierenden verdecken, die ein grenzüberschreitender Hochschulraum eröffnet.

… und Studieren in den USA …

Einen besonderen Grad der Grenzüberschreitung stellte der zweite Vortrag des zweiten Tages dar: Roxanne Nuhaily, Director of International Studies, University of California, San Diego, stellte „Possibilities for European Students in U.S. Higher Education“ dar. Der Blick über den Atlantik offenbarte vor allem eine von Europa stark unterschiedene Kultur des Lehrens, die sehr viel stärker die Aufgaben des Professors als Lehrer in den Blick nimmt, denn des Professors als Forschers, wie in Europa. Dass dennoch die Forschung in den USA nicht leidet, konnte Frau Nuhaily am Beispiel des Campus von San Diego eindrücklich vorführen.

… und was die Studierenden selbst dazu sagen

In einer Podiumsdiskussion berichteten sieben Studierende der Uni Basel von ihren Erfahrungen mit Auslandstudiensemestern in Ländern wie Frankreich, Italien, Tschechien, Island, Ägypten, Kolumbien und den USA. Trotz oder gerade wegen der sehr unterschiedlichen Studienkulturen und den daraus resultierenden Anforderungen an Lernbereitschaft, Offenheit und Improvisationstalent waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass diese Erfahrungen ihre persönliche Entwicklung deutlich befördert haben und für alle Studierenden empfehlenswert sind.

Workshops mit Blick über den Tellerrand

Im Kollegiengebäude der Universität Basel fand die Tagung statt. (c) Juri Weiss

Das Angebot der Workshops, das sei kritisch angemerkt, erreichte nicht die Breite früherer Tagungen, sodass aufgrund höherer Teilnehmerzahlen die seminaristische Form des Workshops hin und wieder dem Vortrag weichen konnte. Dennoch eröffneten sich den deutschen Kolleginnen und Kollegen mit einer Reihe von Workshopangeboten der Schweizer Kolleginnen und Kollegen neue Einblicke in die Beratungsstrukturen jenseits der deutschen Grenze.
Im übertragenen Sinne dem Überschreiten von Grenzen widmeten sich auch mehrere Workshops, in denen Beratungsbedarfe und -angebote für die Übergangsphasen Schule–Beruf, Bachelor–Master und Studium–Beruf diskutiert wurden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Workshopangebote bezog sich vielfach auf die Auswirkungen von Internet und Social Media auf Studienwahl und Studieren, ein Thema, das mit der Tagung 2012 in Leipzig fortgeführt werden wird.

Mit lockerem Dank

Schon im Zuge der Vorbereitung der Tagung konnte der Vorstand der ´´´GIBeT – insbesondere Uli Knoth, dem die Begleitung der Tagungsausrichter zufiel – die Lockerheit von Markus Diem und seinem Team bewundern. Die scheinbare Leichtigkeit der Tagungsvorbereitung setzte sich in der Durchführung der Tagung fort. Die Schweizer Gastgeber begeisterten durch eine perfekt organisierte Tagung gepaart mit einer entspannten Stimmung, einem vielfältigen kulturellen und kulinarischen Rahmenprogramm sowie nicht zuletzt dem Charme der spätsommerlichen Baseler Altstadt. Dies soll nicht die Mühen verharmlosen, die mit der Durchführung einer Tagung verbunden sind, führt aber auch auf diese Art und Weise dem Vorstand und den Tagungsteilnehmern unterschiedliche Hochschulkulturen in Europa aufs Angenehmste vor Augen. Auch dafür möchte sich der Vorstand im Namen der ´´´GIBeT locker bedanken.

Kontakt

Dr. Markus Diem
Leiter Studienberatung
Universität Basel
Steinengraben 5
CH-4051 Basel
Tel. ++41(0)61 267-2932
oder ++41(0)61 267-2930
Markus.Diem(at)unibas.ch